Zeitarbeit schwierig zu begrenzen

Das arbeitgebernahe Wirtschaftsforschungsinstitut IAW aus Tübingen hat sich mit Leiharbeit im Südwesten befasst. Dabei kam heraus, dass Betriebsräte diese Form der Beschäftigung selten verhindern.

Betriebsräte richten in Baden-Württemberg einer Studie zufolge kaum etwas gegen befristete Verträge und Leiharbeit in Unternehmen aus. Laut einer Untersuchung des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) gibt es in Firmen mit Betriebsrat sogar mehr Leiharbeiter als in vergleichbaren Firmen ohne Arbeitnehmervertretung. Allerdings seien solche atypischen Beschäftigungen im Südwesten längst nicht so verbreitet wie im Bundesdurchschnitt, teilte das IAW in Tübingen mit.

Die Studie des als regierungs- und arbeitgebernah geltenden Instituts wurde im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg erstellt. IAW-Direktorin ist die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Buch, die die Bundesregierung vor einer Woche in den Rat der Wirtschaftsweisen berufen hatte.

Im Jahr 2010 wurden der IAW-Studie zufolge 41 Prozent der neuen Arbeitsverträge befristet abgeschlossen, 2001 seien es nur 27 Prozent gewesen. Insgesamt hatten im Jahr 2010 rund 6,8 Prozent der Beschäftigten im Südwesten einen befristeten Arbeitsvertrag - bundesweit waren es 8,9 Prozent. 1,3 Prozent waren Leiharbeiter, bundesweit waren es mit 2,9 Prozent mehr als doppelt so viele.

Vor allem große Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten auf der Lohn- und Gehaltsliste nutzen laut IAW befristete Verträge und Leiharbeit. Das sind aber auch genau diejenigen Unternehmen, in denen es überhaupt Betriebsräte gibt. Aber auch wenn man Einflüsse wie Betriebsgröße, Branche und andere Faktoren herausrechne, komme man zu dem Ergebnis, dass Firmen mit Betriebsrat häufiger auf atypische Beschäftigung setzten wie Firmen ohne Betriebsrat, betonte IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann.

Verdi-Landeschefin Leni Breymaier nahm die Betriebsräte gegen Kritik in Schutz. "Betriebsräte haben leider nicht die Instrumente, um die Folgen von mehr als zehn Jahren Deregulierungspolitik zu korrigieren. Das war und ist politisch so gewollt", sagte sie. Ein Sprecher der IG Metall betonte, dass die Gewerkschaft in der nächsten Tarifrunde ein "wirksames Mitbestimmungsrecht" bei diesem Thema erreichen wolle. Die Betriebsräte müssten widersprechen können, wenn der Arbeitgeber Leiharbeiter einstellen wolle, forderte der Metallgewerkschafter.

Doch Wirtschaftswissenschaftler Boockmann ist nicht sicher, ob sich die Betriebsräte regelmäßig gegen die Nutzung von atypischer Beschäftigung aussprechen würden. "Das Interesse, das Betriebsräte haben, ist da nicht so eindeutig." Vor allem gehe es Betriebsräten darum, die Kernbelegschaft stabil zu halten. Dafür seien befristete Verträge und Leiharbeit nützlich, wie sich in der jüngsten Krise gezeigt habe.

Befristete Verträge sind vor allem bei gut qualifizierten Stellen üblich. In der Wissenschaft haben 15,7 Prozent der Beschäftigten einen befristeten Vertrag, im öffentlichen Dienst sind es 13,2 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen 12,6 Prozent. Leiharbeit spielt vor allem im Baugewerbe (4,1 Prozent der Beschäftigten), im produzierenden Sektor (3,1 Prozent) und im Handwerk (2,9 Prozent) eine Rolle.

Quelle: 
Südwest Presse
Empfehlenswert?
Der o. g. Text stellt einen Ausschnitt des gesamten Artikels dar (Zitat), wenn Sie dem Link folgen, können Sie den gesamten Artikel im Original lesen.

Relevante Presseartikel

CSU im Bundestag will gleiche Bezahlung für Zeitarbeiter

Die CSU im Bundestag will die gleiche Bezahlung von Zeitarbeitern und Stammbelegschaften notfalls per Gesetz vorantreiben.

Empfehlenswert?

Plädoyer für Verbesserung für Zeitarbeitnehmer beim Arbeitslosengeld I

Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) begrüßt ausdrücklich den Vorschlag von Seiten der Bundesagentur für Arbeit, Zeitarbeitnehmern in Zukunft einen schnelleren Anspruch auf Arbeitslosengeld I zu gewähren.

Empfehlenswert?

Präsident von Gesamtmetall begrenzt Zeitarbeit

Im Unternehmen des Gesamtmetallpräsidenten Rainer Dulger dürfen künftig nur noch 5 Prozent Leiharbeiter beschäftigt sein.

Empfehlenswert?

Ausschlussfristen in CGZP-Fällen beginnen mit Erbringung der Arbeitsleistung und nicht erst am 14.12.2010 zu laufen

Das LAG Schleswig-Holstein hat am 11.10.2012 entschieden, dass eine wirksame arbeitsvertragliche Ausschlussfrist bereits mit der Leistungserbringung des Arbeitnehmers zu laufen beginnt (Az. 5 Sa 499/11).

Empfehlenswert?

IG Metall: Leiharbeitern wird Lohn vorenthalten

Werden Leiharbeitern systematisch Teile ihrer Entlohnung vorenthalten? Die IG Metall ist davon überzeugt. Ihr zufolge werden die Löhne kleingerechnet. Dabei sollte der November ihnen deutliche Lohnsteigerungen bringen.

Empfehlenswert?